Das Navi im Kopf

2001 war es, als ich mein erstes GPS benutzte – ein Dinosaurier aus heutiger Sicht. Praktisch fand ich es nicht. „Biegen Sie in X Metern rechts ab, folgen Sie der Landstraße bis Y…“ Diese Art des Navigiert Werdens war für mich nichts.

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hochalpine landschaft

Ich liebe die „alten“ Landkarten, die mir einen Gesamtüberblick geben, wo ich mich an Himmelsrichtungen ausrichte, mir die Route selbst aussuche, die ich nehmen möchte. So genommene Routen bleiben „einfach“ im Gedächtnis. Orientierungspunkte, Besonderheiten der Landschaft, werden wie selbstverständlich registriert, und sind für das nächste Mal, vielleicht auf anderen Wegen, aber in der selben Gegend, sofort wieder präsent und abrufbar.

2013 stieß ich per Zufall auf das Buch „Der natürliche Kompaß – Mit allen Sinnen unterwegs“. Der Autor, Tristan Gooley, beschreibt eine natürliche Art der Orientierung, die so gut wie überall ohne Technik funktioniert.
Vieles davon war für mich normal. So ähnlich wuchs ich auf. In den 1960er und 70er Jahren gab es kein Navi. Ging man in den Wald, musste darauf geachtet werden, wo man hinlief, sich Orientierungspunkte einprägen, um wieder zurück zu finden. Ganz einfache Sache, die sich von selbst etablierte. Eine Strategie, die so gut wie überall funktioniert und nebenbei läuft. Ich hatte auch Glück mit meinem Großvater, der in Niederbayern lebte, und mich als Kind überall mit hin nahm, mir Bäume, Schwammerl (Pilze), Pflanzen zeigte, wusste wann, wo, was wuchs…

im Gelände
im Gelände

2014 kam „Die Nase im Wind“ zu mir – so führten die Wege wieder verstärkt ins Gelände. Einige waren dabei, die ich nicht kannte, aber Himmelsrichtungen helfen…, und einmal gegangene Wege sind auf der inneren Landkarte verzeichnet.
So kam es auch, dass ich nicht selten staunte, wo, wie und wann Navis von vielen eingesetzt werden, sie an Orte führt und bringt, wo es dann doch ein Auskennen, sich orientieren können braucht, das ein Navi nicht liefert.

Zuletzt las ich, Wissenschaftler fanden heraus, wie das innere Navigationssystem des Menschen funktioniert. Gute Navigatoren benutzen sowohl ihr Erinnerungs- als auch ihr Vorstellungsvermögen. Versuche an Ratten haben gezeigt, dass es im Gehirn sogenannte Ortszellen gibt, die starke neuronale Aktivitäten zeigen, sobald sich die Tiere in einer neuen Umgebung bewegen. Gemeinsam bilden diese Ortszellen eine Art mentale Karte, glauben die Neurowissenschaftler, mit deren Hilfe wir uns orientieren können. Für die Entdeckung wurde den Wissenschaftlern John O’Keefe, May-Britt und Edvard Moser am 10. Dezember 2014 der Medizinnobelpreis verliehen.

Ein Navi tut uns also keinen Gefallen, wenn wir es ständig einsetzen, statt unseren eigenen Orientierungssinn zu trainieren. Abgesehen davon, dass ein Navi doch viel Aufmerksamkeit einfordert, bis man dort ankommt, wo man hin möchte und gleichzeitig vieles übersieht, weil das Navi…

Text & Fotos Brigitte Frank
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Ein Kommentar

  1. Meinen Heimatwald habe ich auch kartenmäßig im Kopf. Selbst, wenn ich keinen Weg gehe, finde ich immer wieder hinaus, weil man irgendwanna n einen bekannten Punkt kommt. Sonst sollte man wirklich auf ein Navi verzichten, wenn man nicht gerade pünktlich irgendwo sein muss. Ich fahre gern mal einfach drauf los und habe mich schon zu vielen schönen Orten verfahren. 😉

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